Weltwassertag: Syrische Absolventin im Interview

Foto: Andrea Arnus, Montage Sebastian Möser

„Deshalb bin ich nach Deutschland gekommen: der Arbeitsmarkt braucht Leute.“  


Raneem Asasa kam aus Syrien zum Studium und blieb in Sachsen-Anhalt.

 Am 22. März ist der Weltwassertag. Ziel des von der UNESCO ins Leben gerufenen Tages ist es, auf die Bedeutung des Wassers als Lebensgrundlage für die Menschheit aufmerksam zu machen. Wir veröffentlichen aus diesem Anlass ein Interview mit Raneem Asasa.

Sie arbeitet als Sachbearbeiterin für Wasserwirtschaftliche Grundlagen am Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) in Halle. Nach ihrem Bachelorabschluss in Bauingenieurwesen in Syrien studierte sie bis 2023 den Masterstudiengang Water Engineering. Nach Ihrem Pflichtpraktikum beim Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt (MWU) Sachsen-Anhalt im Bereich Hochwasserschutz, schrieb sie Ihre Masterarbeit in Kooperation zwischen MWU, LHW und der Hochschule Magdeburg-Stendal.

Wie war Ihr Weg vom ersten Studientag in Deutschland bis ins Berufsleben?
Raneem Asasa: Ich habe mein Bachelorstudium Bauingenieurwesen in Damaskus abgeschlossen. Für mein Masterstudium Water Engineering an der Hochschule Magdeburg-Stendal bin ich nach Deutschland gekommen. Das war sehr spannend, aber ich hatte auch viel Angst, weil es ein neues Land und eine neue Sprache war. Ich habe auf Englisch studiert, aber ich brauche die deutsche Sprache auch für den Alltag und die Arbeit. Deshalb habe ich neben dem Studium Deutsch gelernt. Nach zwei Semestern Vorlesungen habe ich ein Semester frei genommen, um weiter Deutsch zu lernen. Danach habe ich mein Praktikum im Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt (MWU) Sachsen-Anhalt angefangen. Dort habe ich viele Kontakte kennengelernt, wie zum Beispiel Mitarbeiter des Landesbetriebs für Hochwasserschutz (LHW). Einer davon wurde der spätere Betreuer meiner Masterarbeit. Wir haben uns entschieden, meine Masterarbeit in Zusammenarbeit mit dem MWU und der LHW zu machen. (…) Als ich mein Masterstudium abgeschlossen habe, hat mir ein Kontakt an der LHW eine Stellenausschreibung zugeschickt. Ich habe mich beworben, sie haben mich eingeladen für ein Vorstellungsgespräch und jetzt arbeite ich dort.

Was arbeiten Sie aktuell und was sind Ihre Aufgaben im Job?
Ich bin Sachbearbeiterin für Wasserwirtschaftliche Grundlagen. Mein Schwerpunkt ist die Umsetzung der Hochwasser-Risikomanagement-Richtlinie. Das ist die vorläufige Hochwasserrisikoauswertung. Außerdem erstelle und aktualisiere ich Hochwasserrisiko- und Gefahren-Karten. Weitere Aufgaben sind die Aktualisierung des Hochwasser-Risikomanagementplans, die Bewertung und die Konzipierung der wassertauglichen Anlagen und die Erarbeitung von technischen Unterlagen der Regionalplanung für Hochwasserschutz und Flussgebiete.

Inwiefern hat Ihr Studium Sie auf die aktuellen Aufgaben vorbereitet? Wie viel von dem, was Sie im Studium gelernt haben, brauchen Sie jetzt für den aktuellen Job?
Alles, was mit Wasserbau zu tun hat, ist wichtig für meinen aktuellen Job. (…) Wir hatten Vorlesungen, in denen ein Überblick über die Umsetzung der Europäischen Hochwasserrichtlinie in Sachsen-Anhalt von der vorläufigen Hochwasserrisikobewertung bis zum Risikomanagementplan gegeben wurde. Es wurde über vorherige Hochwasserereignisse in Sachsen-Anhalt gesprochen, neben der Darstellung von Beispielen für ein komplexes Hochwassermanagement in Sachsen-Anhalt. Im Studium haben wir außerdem die Computer-Software GIS (Geoinformationssystem) kennengelernt, die ich täglich bei meiner Arbeit nutze.

Welche Erwartungen hatten Sie an den Berufseinstieg in Deutschland und wie war er tatsächlich?
Meine Erwartungen waren, dass es sehr schwer sein würde, einen Job zu finden. Ich weiß, dass in Deutschland Leute zum Arbeiten gebraucht werden. Deshalb bin ich nach Deutschland gekommen: der Arbeitsmarkt braucht Leute und ich will arbeiten. Ich dachte, es würde dauern, bis ich einen Job finde, aber es hat ziemlich schnell funktioniert.

Haben Sie Empfehlungen, wo man Kontakte knüpfen kann aus Ihrer Sicht?
Es gibt Firmenmessen. Ich habe sie nicht besucht, weil ich es nicht brauchte. (…) Man muss Kontakte knüpfen und alles fängt in der Uni an: Professoren haben Kontakte. Mein Studiengangsleiter Prof. Dr. Ing. Bernd Ettmer hat mich immer unterstützt! Er hat viele Kontakte, viele Erfahrungen und mir immer Feedback zu meinen Plänen gegeben.

Wie geht es bei Ihnen weiter?
Einen richtigen Plan habe ich noch nicht, aber ich will in Deutschland bleiben, soweit es klappt, soweit ich arbeite und ich glücklich bin.


Dies ist eine gekürzte Fassung des Interviews, das Ulrike Marquardt geführt hat. Die vollständige Fassung gibt es hier.

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